LSS029 – Ein Japaner in Schottland

Nach einer langen Sommerpause hier die neueste Folge. Wir berichten von Whisky-Tastings und diskutieren über Whisky-Stile und -Kulturen.

Und die Shownotes:

00:00:00 – Begrüßung, Gin Tonic mit Haindl’s Tonic Water und Bayswater Gin, wir reden mal wieder über Dosen vs. Flaschen, Haindl’s bei Amazon, Bayswater bei Amazon, spanische Schweppes
00:12:51 – Markus war beim Glenmorangie und Ardbeg Tasting bei der Weinquelle
00:25:23 – Glenmorangie Signet (bei Amazon), die Verpackung, das Design, Verkostung
00:37:26 – Torsten war beim Nikka Food Pairing
00:52:24 – Nikka from the Barrel (bei Amazon), Verkostung, Whiskykulturen, Blends, über Whiskystile und Bourbon-Tastings
01:03:07 – Southstreet Plum Gin, Tour am Rhein lang, Verkostung, Mehkong Rum beim Thai
01:11:05 – Ardbeg Uigeadail (bei Amazon), über die Flasche, Verkostung, Markus war in USA, und hat nix mitgebracht, Whisky-Fazit, und Tschüss

Jim Beam Lime Splash

In zwei Folgen haben wir schon Jim Beam in Dosen probiert. In Nr. 14 war es mit Cola und in Nr. 15 Honey & Ginger Ale. Und weil wir so begeistert waren, musste ich natürlich auch noch die dritte Variante, die gefühlt seit einer Ewigkeit hier im Kühlschrank steht, probieren.

So ganz will ich nicht verstehen, was wir hier eigentlich in der Dose haben. Auf der Website von Jim Beam steht

Der frische Sommer-Mix aus echtem Kentucky Straight Bourbon Whiskey und einem erfrischenden Spritzer Limette.

Ich verstehe das so, als wäre es reiner Bourbon mit eben einem “Spritzer Limette”. Auf der Dose allerdings gibt es eine Zutatenliste und da steht was von 11,4 % Jim Beam Bourbon. Das widerspricht sich.

In Wirklichkeit ist es eine Zitrus-Limonade in der eben etwa 10% Jim Beam drin ist. So schmeckt und riecht es dann auch. Eben leicht säuerlich zitrussig. Der Bourbon ist praktisch nicht zu schmecken. Hauptsächlich denken wir an eine zitrussige Limonade. Und dabei nicht mal an eine gute.

Vergleiche ich die drei Produkte miteinander, hat die Dose mit dem Lime Splash noch den besten Inhalt. Noch ein mal kaufen würde ich es aber trotzdem nicht.

Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Basil Hayden’s kommt, wie viele andere Whiskeys auch, von Beam Suntory. Zusammen mit Knob Creek, Booker’s und Baker’s bildet er eine Familie von Small Batch Bourbons. Wie weit man bei Beam Suntory von Small Batch reden kann, darüber spekulieren wir jetzt lieber mal nicht. Dabei ist er der kleinste bzw. der leichteste mit 40% vol.

Eingeführt wurde die Marke 1992 und nach Basil Hayden Senior benannt. Er war ein Katholik aus Maryland, der 25 Familien im Jahre 1785 nach Nelson County, Kentucky führte. Ausserdem war er Destillateur und bekannt dafür, mehr Roggen als andere zu benutzen.

Beam gab bei der Produkteinführung an, eine ähnliche Mashbill wie 1792 zu benutzen. Früher stand auf den Flaschen wohl auch noch “8 Years”, was auf unserer fehlt. Die Mashbill soll aus 63% Mais, 27% Roggen und 10% Malz bestehen, doch auch da finden sich verschiedene Angaben.

Wie auch immer, entscheidend ist der Geschmack. Mild und holzig ist der Basil Hayden’s im Glas. Wie fast üblich bei Bourbons, die in frischen Eichenholzfässern ausgebaut werden, haben wir Vanille in der Nase. Wir riechen säuerlich muffigen holzigen Geruch, der an rottende Bretter erinnert. Leichte Aromen von Klebstoff sind auch vorhanden.

Auch im Geschmack haben wir Eiche gepaart mit Karamell. Auch Vanille ist vorhanden. Wir schmecken deutlich den Roggenanteil heraus und der Bourbon erinnert uns an Rye-Whikey. Am Gaumen ist der Basil Hayden’s noch etwas pfefferig.

Pur kann uns der Basil Hayden’s nicht so wirklich überzeugen. Auf der einen Seite ist er zu leicht, auf der anderen zu aromatisch in eine unangenehme Richtung. Gut passt er allerdings mit Fritz Kola.

Wollt Ihr den Basil Hayden’s selbst probieren, dann könnt Ihr ihn bei Amazon bestellen.

Und habt Ihr ihn schon probiert? Schreibt uns doch, wie Ihr den Basil Hayden’s fandet?

Koval Single Barrel Bourbon Whiskey

Die Koval Distillery wurde 2008 in Chicago von Robert und Sonat Birnecker gegründet. Damit ist sie sozusagen noch ein Frischling auf dem Markt. Doch der Name beruft sich auf ältere Wurzeln. Koval steht im Jiddischen für Schmied, aber auch für schwarzes Schaf oder für jemanden, der etwas Unerwartetes tut oder etwas Aussergewöhnliches im Sinn hat. Und so geht der Name wohl auf den Urgroßvater der Gründer zurück, der Anfang der 1900er von Wien in die USA kam und sich in Chicago niederliess. Die letzten beiden Bedeutungen des Wortes Koval dürften auf diesen Urgroßvater zurückzuführen sein. Zufällig hieß der Mann dann auch noch Schmid.

Auf Gin-Nerds hatten wir schon den Gin verkostet. Wir waren nicht so ganz überzeugt davon. Da uns aber jemand auf Facebook in den Kommentaren schrieb, dass Koval bei dem Whiskey hätte bleiben sollen, haben wir uns den Bourbon besorgt.

Wie für einen Bourbon üblich, benutzt Koval mindestens 51% Mais als Basis. Dazu kommt aber nicht der häufig anzutreffende Roggen oder Weizen, sondern Hirse. Zu dieser ungewöhnlichen Kombination wirft Koval dann noch Bezeichnungen wie glutenfrei, Small Batch, Single Barrel, unfiltered, Heart Cut und Organic, also Bio, in den Raum, und lässt uns den Bourbon wie den Hipster unter den Whiskeys erscheinen.

Genug palavert. Wie schmeckt das Ganze? Zuerst haben wir geschnuppert und finden vor allem – typisch für Bourbon – Eiche und Vanille. Dazu finden wir leichte Aromen von Aprikose und Banane. Der Whiskey beisst leicht in der Nase. Wir glauben, Met bzw. Honig zu riechen. Dazu eine Süße, die leicht an Karamell erinnert. Ein Hauch Tresterbrand steckt mit drin.

Auf der Zunge haben wir ein deutliches Alkoholbrennen. Bei 47% verwundert das zwar nicht unbedingt, doch andere Hersteller sind da bei mehr Volumenprozent deutlich milder. Wir schmecken Holz und fühlen uns an einen Wald mit Nadelbäumen erinnert. Das passt so gar nicht zu Eichenfässern. Vanille steckt drin, paart sich aber mit dem Eindruck von Getreideschnaps. Leichter heller Karamell ist zu schmecken. Das Gefühl auf der Zunge sagt aber eher Holzspäne.

Wir finden den Koval Single Barrel Bourbon nicht rund. Uns will er so gar nicht gefallen. Ob das an der Hirse liegt, vermögen wir nicht zu sagen.

Seelbach Cocktail

Cocktail Bitters sind für viele die Würze im Cocktail. Ein oder zwei Dashes können deutlich den Geschmack verändern oder auch nur abrunden. Das eine oder andere Dash zu viel kann aber auch alles verderben. Nicht viele Drinks vergeben den Schüttler zu viel an der Flasche.

Dagegen kann der Seelbach Cocktail wohl nicht genug der bitteren Würze bekommen. Vierzehn Dashes an Bitters geben ihm den Schliff.

Im Gegensatz zum klassischen Seelbach, der mit Champagner hergestellt wird, haben wir Cremant de Alsace von Calixte benutzt. Im Grunde könnte man auch Prosecco, Cava oder auch Rieslingsekt nehmen. Das alles ist nur eine Frage der Herkunft und des Geschmacks.

Wir nehmen also 3 cl Bourbon, welchen ist auch eine Frage des Geschmacks. Wir haben den billigen Pennypacker von Rewe zum probieren genommen und fanden den gar nicht mal so schlecht im Ergebnis. Zumindest überraschte er uns. Dazu kamen 1,5 cl Triple Sec, bei uns Patron Citronge, welches auch Gary Regan in The Joy of Mixology empfiehlt.

Das ganze wird mit 7 Dashes Angustura Bitters und 7 Dashes Peychaud Bitters, wir haben Bitter Truth Aromatic Bitters genommen, verfeinert. Dann füllt man das Glas, eine Sektflöte tut da gut, mit dem Champagner oder eben wie bei uns mit dem Cremant auf.

Heraus kommt der Seelbach Cocktail. Sehr lecker, der Bourbon schmeckt hervor, ohne sich aufzudrängen. Die Bitters passen, ohne zu viel zu sein. Eine Runde Sache ist das.

Ginger Syrup Cocktail

Einen richtigen Titel für diesen Cocktail haben wir nicht. Nur einen Screenshot von einer Website, der noch hier rum lag, führte uns zu dem Rezept. Und auch da wurde immer nur Ginger Syrup Cocktail erwähnt.

Für den Cocktail benötigen wir erst ein mal einen Ingwersirup. Den stellen wir selber her, indem wir zu gleichen Mengen, also z.B. je eine Tasse Wasser und Zucker mit einer guten Menge geriebenem Ingwer, hier geschätzt ein Stück von drei Zentimeter, aufkochen. Das Ganze lassen wir abkühlen und filtern es dann. Wir haben ein normales kleines Küchensieb genommen, weil ein Kaffeefilter zu schnell durch die Ingwerstückchen verstopfte und nichts mehr durch kam.

Für den Cocktail nehmen wir jetzt:

– 6 cl Bourbon, hier Maker’s Mark
– 3 cl Triple Sec, hier Patron Citronge
– 3 Teelöffel Ingwersirup
– 9 cl Orangensaft

Das alles mixen wir im Shaker und giessen es in ein Glas mit Crushed Eis.

Ein leckerer Cocktail mit Bourbon kommt heraus, der sich wunderbar in der Sonne auf der Terrasse geniessen lässt. Im Original wurden 3 Esslöffel Sirup genutzt. Auch wurde der Sirup mit noch etwas Vanilleextrakt hergestellt. Doch wir fanden unserer Version sehr gut. Vor allem der etwas rauchige Tequilageschmack des Citronge passt sehr gut zu dem Bourbon.